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Wie möchte ich in meinen eigenen vier Wänden leben, schlafen und meine Freizeit genießen ?

Vom Zielkonflikt zwischen weiblicher Ordnung und Sauberkeit zum männlichen Praktikabilitätsdenken – Wohnambiente gegen Fitness Gym – der ewige Konflikt ?
Jeder kennt Sie, die Trend-Zeitschrift „Schöner Wohnen“ – aber auch Klatsch- und Tratschkolumnen wie Bild der Frau, Bunte, Goldenes Blatt suggerieren mit verlockenden Bildern als auch blumig ausgeschmückten Textbeiträgen die Philosophie vom „savoir vivre“. So sehe ich darin oft herrlich ausgeschmückte Wohn-, Schlafzimmer als auch Küchen mit angeschlossenen Eßzimmern, die mein Leben hier auf der Erde als wahrlich paradiesisch mitgestalten helfen. Ein Hauch von königlichem Hofleben entsteht, absolute Sauberkeitsmanie und ein Hochzeitstraum in Weiß (im Sinne eines Meister Proper-Sauberkeitsgefühls) keimt in mir auf. Alles scheint streng nach Sheng Fui -Prinzipien geordnet, so die oft dahinterstehenden Struktur- und Gestaltungsformeln. Aber ich, der eher das praktische Dasein liebt und öfter mal was in seiner Wohnung ein paar Tage ungeniert rumliegen lässt, wie soll ich dieses Idealziel der perfekten Wohnung à la Schöner Wohnen erreichen ? Vor allem, da ich auch gerne, oft und voller Freude meinem Heimtraining auf dem Laufband, Rudergerät und diversen anderen wohnharmonisch leicht störenden Fitnessgeräten fröne ? Ein schier unüberwindbarer Zielkonflikt, denke ich mir. Da liegen oft bei mir leere Getränkeflaschen, unansehnlich zerknitterte Riegelpackungen oder gebrauchte Turnschuhe und Handtücher rum. Feng Shui à la Fitness Center ? Nicht gerade eine Augenweide solche Überbleibsel von der für den sportlichen Erfolg angepriesenen Sportnahrung, die ich ja meinem Körper als Dankeschön für seine unerschütterliche Treue während gnadenlos harter Fitness Sessions zu den unüblichsten Zeiten zurückgebe. Was nützt die größte Sauberkeit und Ordnung, wenn ich meinen Sport und die dazugehörigen Marotten und Gewohnheiten nicht mehr ausüben oder ausleben kann, meine Fitness, Kondition und figürliche Skyline nicht mehr zu meinem Inneren passen ? Ist das eine Art Schizophrenie in Sachen Feng Shui oder Lifestyle – das ist vielleicht einen interessanten oder provokanten Artikel, Beitrag in einem Fitnessforum wert. 10 % Nachlaß auf weitere Bestellungen garantiert versteht sich.

Na ja, zu viel grübeln bringt ja auch nichts. Ich neige leicht dazu. Das löst keine Entscheidungskonflikte – da mache ich es mir lieber in meinem Sitzsack vor der geliebten Glotze oder eher Mitbewohner mit Unterhaltungsqualität (??) gemütlich, fröne meinem feierabendlichen Bierchen oder doch eher lieber einem Low Carb Getränk oder gar isotonischem Beiwerk für den After Burner ? Egal, ob Sitzsack, Massagesessel oder doch gleich das extrem bequeme und erholsame Bett – wer so hart und zuverlässig malocht und anschließend trainert wie meinereiner, der hat sich etwas Luxus und Disziplinlosigkeit verdient – man muß ja auch irgendwo wieder seine seelischen Akkus aufladen. Das Leben ist zu vielschichtig, leider oft zu kurz und zu schön, um irgendwelchen extremen Anschauungen, Werten und letztlich Verhaltensweisen gnadenlos hinterherzurennen und dabei das einfache und genußvolle Leben gänzlich zu vernachlässigen. Mein Sitzsack, Fernsehsessel und auch mein über alles geliebtes (siehe auch Betten und Bettwäsche kaufen) haben mir über so manches grausame und hartnäckige körperliche als auch seelische Jammertal hinweggeholfen – meine Erkenntnis ist dahin gereift: zum Leben gehört beides: Sport, Fitness aber auch etwas Sündiges wie ein nettes Bierchen oder eine herzhafte „Polnische“ oder das schnuckelig eingepackte „Marsriegelchen“. Die Vielfältigkeit, das ist, was das Leben schön macht. Einseitigkeiten sind eher Gift, denke ich. Andere mögen anders darüber denken, aber Passivität, Faulenzen im Sitzsack, länger Schlafen auf der neuen Bandscheibenmatratze oder gar übermässiger Fernseh- oder DVD-Genuß im Fernsehsessel sind für mich ein Menschenrecht geworden.

Natürlich haben meine Frau und ich uns mal in den Haaren – das gehört zu einer lebendigen und langfristig funktionierenden Partnerschaft einfach dazu. Nach einem reinigenden Gewitter mit neuen Standpunkten und erweitertem informativen geistigen Horizont, sind gewisse Rechte, Vorlieben und wohnliche Territorien zurückorbert, verteidigt oder leider auch verloren worden. Wer sich nicht am anderen reibt, der liebt sich nicht wirklich. Immer nur Schmusekurs im Bett, Fernsehsessel, Sitzsack oder dergleichen, sind beziehungstötend. Dann kann es bei mir schon vorkommen, daß ich mich zu meinen Fitnessgeräten verkrieche und dort öfters meinen Beziehungsfrust abarbeiten oder besser loswerden muß. Hier kann ich das Rudergerät in besonderer Weise als Aggressionskiller weiterempfehlen. Danach bin wie seelisch reingewaschen. Sport ist Mord – nö, das erzählen nur die wirklich Faulen. Sport hat, so denke ich, manche Beziehung gerettet und schaden kann es der Gesundheit auch nicht.

Uwe T.
08.09.09






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